Zwischen zwei Welten: 

 Warum uns ein Innehalten im Urlaub bei beruflichen Veränderungen so gut tut

In ein paar Tagen beginnen die Sommerferien. Die meisten von euch haben ihre Reisen vermutlich schon geplant – sei es ans Meer, in die Berge oder in die Heimat. Der Kalender füllt sich schnell mit Familienbesuchen, Aktivitäten und Ausflügen.

Und doch möchte ich dich einladen, den Ferienplan nicht komplett durchzutakten.

Gerade wenn du spürst, dass sich in dir ein beruflicher Veränderungswunsch regt, dann gönn dir in den kommenden Wochen bewusst ein paar Tage oder Nachmittage nur für dich.
Ich meine nicht den klassischen Urlaub, bei dem man "endlich mal wieder abschaltet".
Ich meine ein bewusst gewähltes Innehalten – raus aus der Routine, rein in einen anderen Rhythmus. Ein paar Stunden oder Tage an einem anderen Ort, allein mit dir, können mehr bewirken als viele Stunden Grübelei im Alltag.

Warum?
 
1.  Perspektivwechsel durch Ortswechsel

Wenn wir reisen, verändert sich nicht nur unser Blick, sondern auch unser Denken. Der neue Ort schafft Abstand – nicht nur geografisch, sondern auch innerlich. Was zuhause groß und schwer wirkt, bekommt in der Fremde eine neue Relation. Plötzlich sehen wir klarer. 

2.  Zeit für Zwischenräume
Berufliche Übergänge sind selten schwarz-weiß. Sie sind Phasen. Und diese brauchen Raum – Raum, um nachzuspüren, neu zu sortieren, die eigenen Bedürfnisse zu hören. Ein paar freie Nachmittage ohne Termine können genau diesen Raum schenken.

3.  Raum für Emotionen
Veränderung bringt Gefühle mit sich – nicht nur Entscheidungen. Und diese Gefühle brauchen Zeit. Vielleicht sitzt du am See oder auf einem Balkon in der Abendsonne – und plötzlich zeigt sich eine Klarheit, die im Alltag keinen Platz findet.

4.  Neue Impulse statt alter Muster
Ein ungewohnter Weg, ein Buch, ein Gespräch oder auch nur Stille: All das kann helfen, aus eingefahrenen Denkbahnen auszubrechen. Veränderung beginnt oft nicht mit dem großen Schritt – sondern mit einem ersten inneren Bild, das sich zeigen darf, wenn es still genug ist.

Ich reise aufgrund der Kunst-Biennale di Venezia alle zwei Jahre nach Venedig – allerdings immer außerhalb der Hauptsaison ;-). Venedig ist für mich eine reine Inspirationsstadt, die mich daran erinnert, dass es kreative Lösungen für scheinbar unlösbare Probleme gibt.
Ich stehe dann stundenlang an einem Ort und beobachte, wie sich ein Leben auf dem Wasser realisieren lässt:

Wie verteilt die Post ihre Pakete bei all den Brücken und Stufen?
Wie wird der Abfall entsorgt?
Wie werden große Kunstwerke transportiert?
Wie erfolgen Krankentransporte im Notfall?

Venedig funktioniert nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Eigenart.
Und genau das inspiriert: Auch wir dürfen bei Veränderungen um die Ecke denken – und das Unmögliche neu betrachten.

Meine Erfahrung: Loslassen, um neu zu beginnen

Ich habe selbst viele Übergänge erlebt – vom sicheren Job zur Selbständigkeit, vom Leben in der Heimat zum Leben in der Fremde, von gesund zu erkrankt, vom Single-Dasein zur Ehe, von kinderlos zur Mama ... Und immer wieder war es dieses bewusste Innehalten, das mir half, mich auf neue Wege vorzubereiten oder – bereits unterwegs – mich zurechtzufinden.

Oft kamen mir an anderen Orten Ideen oder Lösungen, die vorher nicht sichtbar oder spürbar waren. Das Gedankenkarussell konnte endlich zur Ruhe kommen.
Wenn du also das Gefühl hast, dass sich etwas verändern möchte:
Nutze diesen Sommer – und takte ihn nicht komplett durch.

Gib dir Raum für deine Gedanken, für Zwischenräume.
Oft reicht ein halber Tag mit dir selbst.
 
Manchmal ist der beste Karriereschritt eben der, bei dem du kurz innehältst.
 
In diesem Sinne wünsche ich dir einen wunderbaren Sommer! 🌞